Aduatuca - Auf der Suche nach was?
Von Heinrich Klein





Überall, wo die Geschichte Fragezeichen hinterlassen hat, ranken sich Sagen, Geschichten und Mythen; so eben auch um die Kelten in Badua, das geheimnisvolle Atuatuca und die versunkene Stadt Gression. Hier einmal einige Themen angeschnitten, wo scheinbar noch zahlreiche Fragen zum tatsächlichen Ablauf offen liegen oder die Sage stärker ist als unser tatsächliches Wissen um die Geschichte.
  1. Ringwall von Kreuzweingarten: Wer waren seinen Erbauer? War er ein Heiligtum und wie hat dieses ausgesehen. War der Ringwall ursprünglich ein einfacher ringförmiger Wallgraben oder sogar eine Kalenderanlage, die später durch die Fortifikation überbaut wurde? Wo befinden sich die komplementären Standorte der Umgebung. Warum wurde der Ringwall umgebaut? Wurde er später je als Siedlung oder Fluchtburg genutzt? Steht das Kreuzweingartener Oppidum und der benachbarte Kesselberg Kirchheim im Zusammenhang mit dem berühmten Gundestrup-Kessel? (siehe Foto 1). Waren also die Kimbern und Teutonen die Erbauer und nicht die Kelten?

  2. Belgica Vicus: War es ursprünglich noch größer als angenommen und erstreckte sich bis nach Billig. Wo befanden sich die Kultstätten? Oder handelt es sich um ein ursprüngliches Bauarbeiter-Camp der Römer für den Römerkanal, welches später aufgegeben wurde? Warum ist das Gefälle bei Kreuzweingarten stärker als an allen anderen Streckenabschnitten? Arbeitete man von Köln bis Stotzheim und von Nettersheim bis Kreuzweingarten so sparsam mit dem Gefälle, daß man zwischen Rheder und Kreuzweingarten plötzlich Gefälle verschenken konnte? Verzichtete man auf ein Aquadukt im Erfttal deswegen? Trafen sich bei Kreuzweingarten Kölner und Eifeler Römerkanal-Bautrupps und feierten die Fertigstellung des Römerkanals? Warum hier und nicht woanders? War der unweit gelegene Ringwall im Hardtwald der weit bekannte Treffpunkt in der Römer- und Keltenwelt?

  3. Badua: Die Geheimnisse des Badewaldes, Pohl'sches Aduatuca und Römerlager in der eburonischen Festung bei Nideggen. Eine versunkene Stadt? Haben wir eine vorzeitliche Bergbausiedlung vorliegen, die die Kelten zur Herstellung von Waffen und Werkzeugen anlegten? Später wurden diese Schmieden von den Römern niedergemacht? Schließlich die Frage, ob die Römer selbst diese Stätten gegründet haben.

  4. Atuatuca: (Grees'sches Aduatuca bei Eschweiler) Ähnlich wie Badua eine vorzeitliche Schmiede rund um Stolberg, Atsch und Eschweiler - oder doch im Badewald. Wo genau lag das vorzeitliches Heiligtum, welches man zu zerstören gedachte? Erst in jüngster Zeit bekannt die hochwertigen Metalle, die man einst dort im Raume Eschweiler schmolz. Unmittelbar hiermit der Hinweis auf die im gestellte Frage nach einem vorzeitlichen Atlantis. Führte ein Vulkanausbruch am Laacher See zu einer Stauung des Rheines und Überflutungen der Eifel, die sich bis nach Stolberg auswirkten? Inwieweit griffen hier Vorzeit, Mythologie, Jetztzeit und Zukunft ineinander über?

  5. Herkelstein: Einstige Wohnstätte eines Riesen namens Kakus, der gegen Herkules gekämpft haben soll. Orts- und Flurnamen deuten auf die griechische Sage. Auch hier bei Mechernich-Weyer nahe der Kakushöhle Spuren keltischer Befestigungen und Verhüttung von Eisen.

  6. Zwergensagen berichten von einem kleinen Volke, was dort einst gelebt haben soll. Gemeint ist Gression, eine uralte Stadt. Bekannt sind Gressenich (Quärresmännchen) und Nideggen (Niffel, Niflung). Zwergensagen sind in vielen europäischen Bergbauorten bekannt. Wahr daran dürfte sein, daß man zwergenwüchsige Arbeiter im Bergbau einsetzte, möglicherweise venetische Sklaven oder Pikten, die man später wieder loswerden wollte, da ihr menschenunwürdiges Dasein in den von Pohl benannten Wohngruben sowohl Kimbern, Teutonen als auch Eburonen aufstieß.

  7. Schließlich die Problematik der Pikten selber, die von Cäser und scheinbar auch den Eburonen bekämpft wurden. Für den Bereich der Eifel steht nichts in den Geschichtsbüchern. Machten Cäsar und Ambiorix gemeinsame Sache in dieser Frage. Waren alle anderen niedergeschriebenen Tatsachen gelogen? Handelte es sich bei den angeblichen vernichteten Römern nur um schnell zusammengestellte Truppen, die an Krankheiten und Altersgebrechen litten. Verschaffte man ihnen somit nur einen „ehrenvollen Tod“?

  8. Julius Cäsar griff maßgeblich in die keltische Geschichte ein. Auf seine Aufzeichnungen berufen sich unsere Historiker. Um sein Auftreten im Rheinland gibt es Unklarheiten. Fraglich die römische Siedlungspolitik. Fragt man Experten nach den Römern in unserem Raum, so plappern sie allesamt das in ihre Gymnasiumzeit im Latein- und Geschichtsunterricht gelernte zwischen Berlin, München und Hamburg fleißig nach und betrachten mit wilhelminischem Spott die Kleinkriege der Römerzeit im Rheinland.

  9. Um eine sichere Grenze zu haben, brauchte man freundschaftlich gesinnte Keltogermanen. Man zerschlug das widerspenstige Keltenreich, kümmerte sich jedoch später kaum darum, daß die übriggebliebenen Eburonen sich unter die anderen Völker mischten. Für Cäsar ging es schließlich später darum, in Rom von seinen Erfolgen im Germanien zu berichten. Seiner Feder verdankt die Nachfolgewelt viele Erkenntnisse; einiges davon sicher beschönigt, ganz sicher aber die „angeblichen“ Niederlagen (s.o.); also möglicherweise im Falle der Eburonenkriege vieles erlogen?

    Vielleicht befand sich Cäsar auch auf der Suche nach Aduatuca, ebenso wie es Menschen gab, die nach Atlantis, Troja oder der sagenhaften Tigerburg des Nordens (Tiberium? Tiberiacum?) suchten. Jedenfalls fand Cäsar eine weitentwickelte keltische Eisenindustrie in der Eifel bei Nideggen. Auch um das Gebiet von Eschweiler bei Atsch ranken sich Legenden um hochwertige Metalle, die man einst dort schmolz. Bekannt, daß auch die Kelten Sklaverei kannten und Gefangene in Bergwerken arbeiten ließ. Ebenso bekannt, daß die Kelten eine geringe Lebenserwartung hatten und häufig vor dem Alter von 40 Jahren starben, wenn sie nicht schon vorher an Würmern oder sonstigen Krankheiten dahinsiechten. 80 Prozent der Kelten waren angeblich Leibeigene oder Sklaven. Welche Ehre muß es für einen Kelten gewesen sein, einem Ambiorix in einen Kampf gegen einen Feind zu folgen und einen ehrenhaften Tod auf dem Schlachtfeld zu sterben.

    Nicht auszudenken, welchen Plan man möglicherweise ausheckte, um das weitere Vordringen von Germanen aus dem rechtsrheinischen Raum zu stoppen. Man spricht von mehr als 100 Tausend barbarischen Germanen, die bereits etwa 100 v. Chr ins Keltenreich eingedrungen waren, um am Reichtum und der Fruchtbarkeit Galliens teilzuhaben. Interessant die Aussagen von Cäsar und Ambiorix über die Entfernung der Lager voneinander, die bei beiden differiert. Einig ist man sich nur um die Lager selbst; möglicherweise logen anschließend beide, um vom wahren Grund der Schlacht abzulenken. Kann man vielleicht von einer Zerstörung einer keltischen Eisenindustrie durch Cäsar und möglicherweise einem Mitwisser Ambiorix sprechen, die räuberische Germanen, Umherziehende und Schatzsucher aus friedlichen Stammesgebieten vertreiben wollte. Wollte man eine in die Barbarerei verfallene Glücksritterkultur vernichten? Befreite man womöglich menschenunwürdig wohnenden Keltensklaven, die dem Tod geweiht waren. Endete hier der „Eisen-Run“ der Vorzeit in einem Fiasko. Die Römer erlitten Verluste und Cäsar graulte es dermaßen, daß er den Ort der Schlacht und damit die Beweise noch einmal ausgraben und verbrennen ließ. Durch seine verschleierte Tat und damit die Ermöglichung eines Zuzugs durch gemäßigtere Kelten und rechtsrheinische Ubier war das Ende der kimbrisch und teutonisch abstammenden Eburonen gekommen und die friedlichere Besiedlung des Rheinlandes unter dem Schutze Roms eingeleitet. Bezüglich der Person Cäsars und seinen Erfolgen im Rheinland verhalfen erst später die mehrere hundert Jahre andauernde Römerherrschaft im Rheinland zu ihrer nachträglichen Anerkennung.

    An dieser Stelle noch der kurze Hinweis auf neuzeitliche Gedanken wie: „War Christus = Cäsar?“; eine Idee, die dem Wirken Cäsars einen höheren Stellenwert zuordnet und ihm als Werkzeug der damaligen Weltmacht Rom eine prädestinative menschheitsordnende Funktion zuweist.

Während der Zeit der Römer und Germanen entstanden die Sagen, die einen Teil ihres Ursprungs im Raume Zülpich und Nideggen haben. Zahlreiche Orte in der Eifel deuten auf eine Verbundenheit mit den Nibelungen und drücken dies durch Ortsnamen aus; wie Brandinaborger = Brandenberg/Eifel, Neffelbach = Zwerg Niffel usw. Zur Thematik siehe auch: Haben die Nibelungen ihre Heimat im Zülpicher Raum? von Dr. Heinz Ritter. Aus dieser Zeit stammen die christlichen germanischen Königtümer, auf denen schließlich unsere Kultur beruht.


Lagerte hier einst der berühmte Eburonenschatz mit dem Kessel von Gundestrup?
Kesselberg bei Kirchheim mit vorzeitlichem Lager - Foto: Wingarden.de


Für die Pohl'sche oder die Drees'sche Theorie?

Beide Autoren bieten unterschiedliche Interpretationen zu Aduatuca an und es fällt schwer, darüber zu entscheiden, welcher Ansicht man Glauben schenken möchte. Beide berichten über das Geschehen um die ehemaligen keltischen Eisenschmieden, die zum Wohlergehen der Kelten beitrugen und diesen zu Macht und Ansehen verhalfen. Für die Ansicht Pohls spricht der erhöhte Ausblick von den Höhen bei Nideggen ins Rheinland, angefangen vom Siebengebirge bis nach Köln, Düsseldorf und in die Gegend von Mönchengladbach, der wie geschaffen für einen eburonischen Fürstensitz scheint, allerdings eher nur am Rande des Keltenreiches liegt. Für die Ansicht von Dr. Drees spricht seine Einbeziehung der belgischen Standorte der Römerlager inmitten des Eburonengebietes und die dadurch logisch richtige Lage zum Standort bei Eschweiler.

Die Fülle der einzelnen Argumente widerspricht sich bei beiden Theorien kaum und die Interpretationen deuten logisch auf die Richtigkeit der jeweiligen Annahme. Unter dem Gesichtspunkt, daß es scheinbar einen „keltischer Eisenrausch“ gab und keltische bzw. römische „Bergarbeitersklaven“ hier einst schwere Frondienste leisten mußten, mag man Cäsar Recht geben, wenn er diesem Eldorado eingebettet in einer rauhen Keltenwelt ein Ende bereitet hatte. Beide Aduatuca-Theorien vermitteln wertvolle Einblicke in die damalige Lage, aber nur im Rahmen einer Interpretation im Sinne Cäsars. Leider haben Kriegsgeschehnisse keine Zeugen, die meisten Greuel werden vor der Öffentlichkeit verborgen. Durch die Völkerwanderung kam Europa immer mehr und mehr in Bedrängnis. Ähnlich dem amerikanischen Goldrausch endete also der Run ins Keltenreich. Die Evolution zeigte sich auch hier von der grausamen Seite. Die Geschichte Zentraleuropas ging auf die Römer und später auf die christlichen Reiche über.

Anlaß zum Nachdenken

Als ich etwa 2000 - 2004 an den Internetseiten zur Dorfchronik Kreuzweingarten arbeitete, fielen mir die unterschiedlichen Interpretationen bezüglich der römischen oder keltischen Geschichte auf; insbesondere bezüglich des Ringwalles. Auch in persönlichen Gesprächen mit Archäologen kam immer wieder der Eindruck, daß man zumindest für die Entstehung des Oppidums oberhalb von Euskirchen-Kreuzweingarten keine Erklärung liefern konnte. Seit dem Grabungsbericht 1928 und der Veröffentlichung von Pfarrer Nikola Reinartz: Der Ringwall von Kreuzweingarten - Das älteste Baudenkmal des Kreises Euskirchen in „Unsere Heimat“ in der Beilage zur Euskirchener Volkszeitung vom 30. Januar 1932 hat sich um die Römer- und Keltenforschung, was zumindest Kreuzweingarten betrifft, nicht viel getan.


Grabenwerk bei Mechernich-Wachendorf - Kultstätte von Kalendermachern? - Ermöglicht Azimutbetrachtungen am Keltenring Kreuzweingarten zum 15.5. (Sophientag) - Foto: Wingarden.de

Als mir dann Artikel vom Goloring bei Koblenz zu Digitalisierungszwecken zur Verfügung gestellt wurden und ich auf den Gedanken kam, daß womöglich der Kreuzweingartener Ringwall ursprünglich eine einfache Kreisanlage zu Kalenderzwecken ähnlich des Golorings ist, hatte ich dann auch beim letzten noch zuhörenden Archäologen und einigen Heimatforschern kein offenes Ohr mehr für meine Anliegen und ich erinnerte mich an einige Gespräche mit erbosten Anwohnern oder Heimatkundlern, die auch bei Behörden oder Anfragen bezüglich archäologischer heimatlicher Anliegen Probleme bekamen, überhaupt angehört oder ernst genommen zu werden. Abgesehen von den vorzeitlichen Erforschungen im Bereich der Braunkohletagebaue wandelt man auf den Spuren der Römer. Die Erforschung von Kalendersystemen im Rheinland scheint also bei Röder 1946 stehengeblieben zu sein. Und es ist überhaupt eine Frage, ob im rheinischen Raume rund um Euskirchen oder Düren sich überhaupt jemand mit Kalendersystemen auskennt. Zum Thema Goloring informiert man sich am besten im Internet unter der Sucheingabe -> Wingarden Rund um den Goloring <- bei der Suchmaschine.


Rekonstruktion des Golorings - Foto: Landesmedienzentrum Rheinland-Pfalz

Bietet sich ein Einblick in ein verborgenes Atlantis?

Seinerzeit hatte ich einmal versucht, in einer Projektstudie mit Überfliegungen und anhand von Kartenmaterial, sowie mit Azimutwertberechnungen logisch ein Kalendersystem oder ein eburonisches Heiligtum am Ringwall Kreuzweingarten nachzuvollziehen, indem ich eine Vorgänger-Kreisanlage am Keltenring annahm, die ähnlich wie in Südwestengland mit anderen vorzeitlichen Kreisen und Kultplätzen auf Kalenderlinien verbunden sind.

Mir erging es etwa wie Pohl, Hake, Drees, Jackels, Groß und Kleinen, indem ich mir in einem geistigen Labyrinth versuchte, eine Theorie zusammenzuschustern. Schließlich stieß ich an die Grenzen der Objektivität einer solchen spirituellen Archäologie, baute Fehler über Fehler und ließ das Projekt erst einmal ruhen.

Ich mußte mich belehren lassen, daß einst die Nazis versuchten, in solche Anlagen germanische Vorgängerkulturen hineinzuinterpretieren. Schließlich drängte sich der Verdacht auf, daß die einstigen Atlanter wohl gar nicht wollten, daß man sie findet. Oder es handelt sich möglicherweise um Anlagen, die erst von der Zukunft aus von unseren Nachkommen als den Bewohnern von Atlantis geplant wurden; womöglich im Sinne einer Selbstschöpfung der Menschheit oder als Meilensteinsetzungen schöpfungsprädestinativer Vorgänge.

Meine einfache Frage lautet: „Wie sieht denn so ein eburonisches Heiligtum aus, von dem immer gesprochen wird?“

Zur Rekonstruktion eines solchen oben angesprochenen Kalendersystems finden sich einige Informationen bei karmantan.de und vorzeitkalender.de.





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